Religion kritisch betrachtet
Die Bibel und die
"Hexerei"Verfasser:
Alexander Leistner
04.04.2007
Der Glaube bzw. das Wissen um die Wirksamkeit von Magie besteht schon so lange wie die
Menschheit. Betrachten wir einmal was die Bibel dazu sagt.
Als Leitwerk für Mitglieder der christlich Gläubigen drückt sich die Bibel klar
darüber aus, wie man zu magischen Praktiken stehen sollte: "Ihr sollt nicht
Wahrsagerei noch Zauberei treiben" (Lev 19,26; Dtn 10,10)
Ebenso drückt sie klar aus, wie man sich magisch versierten Personen gegenüber verhalten
soll: "Den Zauberer sollst du nicht leben lassen." (Ex 22,17)
Aber da sich der Mensch nun mal gerne nicht an die Regeln hält, geschah es, dass
ausgerechnet der erste König Israels, Saul, die Hilfe einer Frau aufsuchte, welche
besondere Kräfte zu haben schien. In der Bibel wird sie als die "Hexe von
Endor" (1. Samuel 28,5-25) erwähnt. So solle die Wahrsagerei beherrschen und dazu
noch eine
Totenbeschwörerin sein.
Entgegen der üblichen Meinung, die
Frau würde tote Körper wieder zum wandeln und handeln bringen, handelt es sich bei
dieser Totenbeschwörung um die Herbeirufung des Geistes eines Toten.
In diesem Falle, um den Geist Samuels - eines alttestamentlichen Propheten der von Gott
berufen wurde. Der Gleiche Samuel, der in einem Atemzug mit Mose und Aaron genannt wird:
"Mose und Aaron unter seinen Priestern, und Samuel unter denen, die seinen Namen
anrufen, die riefen den HERRN an, und er erhörte sie." (Psalm 99, 6) Die Hexe von
Endor beschwört also einen von Gott berufenen Propheten zur Hilfe. Da wir uns noch in der
Vorzeit der Christen bewegen, nämlich bei den Israeliten, gibt es noch keinen Menschen
der so eine Tat unterbinden würde. Also schauen wir zu Gott als finale Instanz, doch
weder bei noch nach der Unterredung wird irgendeine der beteiligten Personen von Gott
bestraft.
(Saul ist eh von Gott verlassen und wird alles verlieren und muss nicht noch mehr bestraft
werden, aber sogar der 'bösen' Hexe passiert nichts schlimmes.) |

Saul und die Hexe von Endor
Jacob Cornelisz van Oostanen, 1526
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Das wirft die Frage auf, wieso man
keine solche Praktiken ausführen darf, wenn man sie beherrscht, und wieso man
Zauberkundige töten soll.
Der Tötungsaufruf geschieht in Exodus 22,17. Also sehr kurz, wenn nicht direkt nach dem
Dekalog ('Zehn Gebote' in Exodus 20,2-17).
Wenn wir uns an die Geschichte erinnern, was bei der Weitergabe der Gebote alles passiert
ist, wird schnell klar, wieso Gott so hart gegen die Magie (die er auch geschaffen hat)
vorgeht. Das Volk ist aus Ägypten gezogen und ist jeglicher festen Macht-, Sozial-, und
Glaubensstruktur entrissen. Ein Haufen Menschen die begierig nach Führung sind und sich
an das erstbeste Klammern was sie finden bzw. sich ausdenken können (-> Goldenes
Kalb!).
Wenn diese Menschen schon beim Anblick einer glänzenden Figur so darauf abgehen, dass sie
die Figur anbeten und als das Höchste erachten (-> Götzendienst) und sich von Gott
abwenden, ist es leicht sich zu denken, was passiert wenn man einem Menschen
gegenübersteht, der mit der nicht-materiellen Ebene interagieren kann. Jemand mit solchen
interessanten Fähigkeiten würde führungslose Menschen anziehen wie ein Licht die
Motten. Die Folge ist klar (-> noch mehr Götzendienst -> noch mehr Abkehr von
Gott).
Die Chance, dass sich in den eigenen Reihen auf einmal Scharlatane herausbilden, die mit
einfachen Tricks die Menschen beeindrucken wollen, damit sie Macht auf sie ausüben
können, etc. macht es einfach zu verstehen, dass, sagen wir 'aus Sicherheitsgründen'
solche Praktiken und Praktizierer aus dem Volk entfernt wurden.
Es ist somit anzunehmen, dass die Magie, als solches, nicht als etwas Schlechtes angesehen
wurde, nur die Menschen in dieser Phase ihrer Entwicklung zu Anfällig für Manipulationen
waren, was einen verantwortungsvollen Umgang mit dieser Materie nicht gewährleistet
hätte.
Einen sehr positiven Anteil der Magie, später in der Bibel, zeigt sich in den "Drei
Weisen/Könige aus dem Morgenland". Im griechischen Matthäusevangelium ist von
"Magoi apo anatolôn" (=Magiern aus dem Osten) zu lesen, die den neugeborenen
König der Juden suchen, weil sie seinen Stern im Aufgang gesehen haben (Mt 2,1-2).
Wenn man genau betrachtet was sie dem Kind in der
Krippe darbringen, zeigt sich, dass die Magier, keineswegs in einem negativen Stereotyp
betrachtet werden. Neben der sehr bemerkenswerten Kenntnis über die Geburt dieser
geschichtlich sehr wichtigen Person, zeugen ihre Geschenke von noch viel mehr Verständnis
und Einsicht als man
zunächst glauben mag. Gold, Weihrauch und Myrre sind, wie sich jeder Denken kann
wertvolle Gegenstände, schon aufgrund ihrer relativen Seltenheit zu dieser Zeit.
Gold - damals wertvollstes Edelmetall (Platin war schon lange bekannt, aber weit weniger
geschätzt, als Gold) - Symbol für einen König. (Jesus = König der Juden) Weihrauch -
wichtigste Pflanze für kultische Zwecke - Symbol für einen Priester (Jesus =
Hohepriester Israels) Myrre - eine wichtige Heilpflanze - Symbol für einen Arzt/Heiler
(Jesus = von Gott gesandte Heiler -> 'Heiland')
So waren es die Magier, die als erste von diesem Ereignis wussten und die vor
allen anderen Jesus ihren Respekt und ihre Ehrerbietung zukommen ließen sowie die
Nachricht von seiner Geburt verbreiteten.
Alles in allem ein schönes Beispiel dafür, dass die Geschichte ein eher friedliches
Zusammenleben mit den magischen Künsten zeichnet und die Ausnahmen eine klare Begründung
haben, welche die Magie als solches nicht als "Schlecht" oder "Böse"
oder gar "des Teufels" deklariert (schon aus Ermangelung einer
Teufelsvorstellung wäre das auch etwas schwer...).
Christus, das Christentum oder die Mehrheit der Christen sind also nicht für den
spirituellen Raubbau in der Gesellschaft verantwortlich. Das Problem lag vielmehr bei
einigen wenigen, mächtigen Personen, die viel Manipulationsgeschick eingesetzt haben um
die breiten Massen zu kontrollieren und im Zuge der Verbreitung des Christentums dafür zu
sorgen, dass alles was aufgrund seines eigenen Wahrheitsgehalts zu einer Minderung der
Manipulationsmöglichkeiten führen könnte, systematisch auszuschalten.
Nehmen wir abschließend ein
praktisches Beispiel zum Verständnis:
Alle drei Personen vollziehen die gleiche Handlung (Hände auflegen).
Alle drei Personen bewirken das gleiche Ergebnis (Heilung).
Der Kontext (Ort, Zeit, etc.) in dem die Personen diese Handlung vollziehen ist bei jeder
Person unterschiedlich und die Personen stehen in keinem Verhältnis zueinander. Die
Ereignisse habe ich zu unterschiedlichen Zeiten, an
unterschiedlichen Orten erzählt bekommen.
Der direkte Vergleich offenbart etwas interessantes.
A. Jesus Christus legt seine Hände auf - und heilt einen schwer Kranken. -> Das ist
ein Beweis, dass er Gott ist.
("Jaaaa... Er ist es!")
B. Ein strenggläubiger Christ legt seine Hände auf - und heilt einen schwer Kranken.
-> Das ist ein Beweis für seinen Glauben. ("Unglaublich! Ein Wunder!")
C. Die Alte Frau nicht-christlichen Glaubens, deren Ahnen schon immer Hände aufgelegt
haben, legt ihre Hände auf - und heilt einen schwer Kranken. -> Das ist unheimlich und
angsteinflößend oder (für manche) gar ein Werk des Teufels. ("Du lieber Himmel...
das sowas funktioniert... erschreckend...") |

"Die Auferweckung des Lazarus"
Juan de Flandes um 1500
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