| VI Religion
Die Entstehung des Christentums
Das Römische Reich fand ca. im Jahre 63 v. Chr.
durch den römischen Feldherrn Pompeius Einzug in den Staat Judäa. Somit wurde Judäa
durch das "Imperium Romanum" besetzt. Die Römer übten ihre Herrschaft aus.
Es herrschte eine Zeit der Bürgerkriege.
Korruption, Misswirtschaft und Ausbeutung waren an der Tagesordnung.
Die Menschen sehnten sich nach Frieden und
Gerechtigkeit. Zur Zeit des Kaiser Augustus (ca. 27 v. Chr. 14 n. Chr.) sollte die
Zeit der Bürgerkriege nach der Schlacht bei Actium (ca. 31 v. Chr.) ein Ende haben. Es
gab im ersten Jahrhundert eine relativ friedliche Zeit und wirtschaftlichen Aufschwung.
Judäa und Samaria werden zur Provinz Judäa. Der römische Statthalter Pontius Pilatus
(ca. 26v. Chr. - 36 n. Chr.) wird in der Provinz eingesetzt.
Kaiser Augustus hatte die Vorstellung, dass das Volk
loyal zum Kaiser sein soll. Um dieses zu erreichen, verabschiedete er viele Reformen.
Unter anderem sollte die Religion der Vorfahren neu belebt werden.
Nach den Vorstellungen des römischen Reiches war es
nicht möglich, dass ein lebender Mensch zu einer Gottheit wird. Der Staatskult der
Hauptstadt Rom ernannte daher nur verstorbene Kaiser zu Göttern. Die griechischen und
orientalischen Provinzen hatten einen starken Drang nach einem sichtbaren Gott und sehnten
sich nach einem Gottkönigtum.
Die Ausbreitung des römischen Reiches konfrontierte
die Statthalter Roms mit vielen religiösen Richtungen. Rom stand vor der schwierigen
Aufgabe, diese Richtungen für sich auszulegen.
Die Menschen zu der Zeit hatten durch das geforderte
Obrigkeitsdenken große Probleme. Der politische Einfluss war nicht mehr vorhanden. Die
Gesetze und Verordnungen wurden verfügt. Es mussten Steuern gezahlt werden, Verordnungen
waren vom Sinn nicht erkennbar. Das Volk hatte keinen Einfluss auf das Geschehen.
| Es entstand eine Entfremdung. Die
Machtlosigkeit wurde dem Volk bewußt und sie fühlten sich dem Schicksal ausgeliefert. Das Volk konzentrierte sich mehr auf die eigenen Belange.
Einen Ausweg versprachen sich viele in der Philosophie. Auch Mysterienreligionen,
Astrologie und gnostische Richtungen konnten die Lösung, also Befreiung von der
Machtlosigkeit, sein.
Der griechische Teil des römischen Reiches traf mit
vielen Kulturen und religiösen Vorstellungen zusammen. Es vermischten sich durch
Deutungen aus anderen Religionen, auch orientalischen, neue Möglichkeiten und wurden zu
Mysterien.
Eine Verbreitung geschah schnell durch Kaufleute,
Soldaten, Seeleute und andere, die durch das Reich zogen.
Besonders die Mysterienkulte um Attis (Phrygien),
Mithras (Iran), des Adonis (Syrien) und der Isis- und Osiriskult (Ägypten) waren sehr
weit verbreitet.
Die Menschen waren durch diese vielen Möglichkeiten
und Richtungen verwirrt und suchten nach einer Möglichkeit, die Wahrheit zu finden.
Für die gebildeten wurde vornehmlich die
Philosophie Religionsersatz. Die Hauptrichtung war die Stoa (eine auf Ganzheitlichkeit der
Welterfassung gerichtete Erfassungsweise mit waltendem, göttlichen Prinzip). |

Fiktives Jesus-Christus-Portrait aus
der Hagia Sophia, aus dem Jahr 1280. |
Die Erkenntnisse, die daraus
interpretiert wurden, waren für Rom mehr als gefährlich. So heißt es vielfach, dass der
Mensch durch Verachtung der Güter dieser Welt zum Seelenfrieden gelangt. Die eigentlichen
Werte lägen nicht beim Staat und der Gesellschaft, sondern im ICH selbst. Die alten
Götter wollten die Stoiker nicht leugnen, nannten sie aber Fern und Blass.
Eine weitere Komponente, die für Rom eine bittere
Pille war, entstand im östlichen Teil des Reiches durch alles Magische. Die Astrologie,
Wundergeschichten und magische Handlungen und Heilungen stellten die medizinischen
Möglichkeiten in den Schatten.
Allgemein heißt es, dass das Christentum aus dem
Judentum entstanden ist. Die genaue Entstehung ist nicht nachzuvollziehen. Zur Zeit von
Jesus Geburt war auch das Judentum in viele Glaubensrichtungen verzweigt. Gemeinsam war
allen der Besitz der Thora (hebräische Bibel). Die Juden unterschieden sich von anderen
Völkern durch einen strengen Monotheismus (Glaube an nur einen Gott).
Es gab jedoch nicht nur Gemeinsamkeiten unter den
Juden. Zur Spaltung kam es durch eine Gruppe, die in dem kommenden Messias einen irdischen
König und Befreier aus der Knechtschaft sahen, während die anderen in ihm nach dem
Untergang der alten Welt ein anderes Dasein erhofften.
Es gab auch die einflussreichen Pharisäer, die
Abwendung von den Heiden predigten und peinlichst auf die Einhaltung des Gesetzes (5
Bücher Moses) drängten.
Die andere Richtung waren die Sadduzäer. Sie
lehnten ein messianisches Reich ab, waren aufgeschlossen gegenüber fremden Sitten und
Bräuchen. Eine kleine, dennoch bedeutende Gruppe, die ESSENER, lebten in kleinen Gruppen
und Siedlungen in Ordensgemeinschaft mit Gütergemeinschaft. Sie lehnten das Judentum mit
Tempeln ab, denn der Tempel Gottes ist in jedem Menschen.
Ob Jesus ein Essener war, ist nicht zu belegen.
Seine Lehren in der Bergpredigt lassen für mich den Rückschluss zu. Ebenso die Bücher
über die Essener.
Jesus wird als Gründer des Christentums angenommen.
Seine Lehren und Handlungen weisen in keiner mir bekannter Veröffentlichung darauf hin,
dass er eine Religion gründen wollte. Im Gegenteil stellte er immer heraus, dass jeder
Mensch durch sich selbst den wahren Glauben erlangen kann und die Wahrheit im Handeln und
Denken des jeweiligen Menschen liegt. Auch Tempel oder andere Prunkbauten der Gläubigen
sah Jesus eher als ein Hindernis an, um zu Gott zu finden.
Jesus wurde nach Überlieferungen als Sohn eines
Zimmermannes geboren. Über seine Kindheit gibt es kaum Aufzeichnungen. Lediglich das
Thomas-Evengelium berichtet umfassend aus der Kindheit Jesus. Der Vatikan hat diese
Schrift nicht für erwähnenswert gehalten. Vielleicht liegen noch andere in geheimen
Archiven des Vatikan, da sie nicht mit den von der Kirche formulierten Dogmen konform
sind.
In der Bibel, hauptsächlich in den Evangelien des
Matthäus und Lukas, die ca. 90 n. Chr. aufgeschrieben wurden, finden sich Berichte über
Geburt und Kindheit von Jesus.
Das genaue Geburtsdatum von Jesus lässt sich nicht
genau bestimmen. Nach alten Aufzeichnungen wurde Jesus etwa in der Zeit von 9 vor bis 7
nach unserer Zeitrechnung geboren.

Fiktives
Jesus-Christus-Portrait aus der Hagia Sophia, aus dem Jahr 1280. |
Im Alter von ca. 30 Jahren ließ sich Jesus von
Joahannes dem Täufer taufen. Johannes lehrte die moralische Umkehr, also die
Nächstenliebe. Der Neubeginn wurde mit einem Untertauchen im Jordan gefeiert. Es wurde
symbolisch alles Alte abgewaschen und gereinigt, um ohne Altlasten neu beginnen zu
können. Der Weg von Jesus begann vermutlich
als Wanderprediger. Dabei befasste er sich hauptsächlich mit den Menschen des einfachen
Volkes und bei diesen mit den Ausgestoßenen und Kranken. Jesus kümmerte sich also um die
Menschen, mit denen kaum ein anderer etwas im Sinn hatte. Er zeigte in allen seinen
Handlungen Nächstenliebe, die nicht in diese Zeit passte.
Es gab durch mangelde Hygiene viele Krankheiten und
Gebrechen. Medizinische Hilfe konnten die Armen nicht erhalten, da sie nicht zu bezahlen
war. Hauptsächlich Darmerkrankungen waren an der Tagesordnung. Bandwürmer und andere
Parasiten hatten einen starken Nährboden. |
Bereits in Galiläa stieß sein
Verhalten und seine Fürsorge auf Widerstand bei den Pharisäern und der Regierung von
Herodes Antipas. Als Johannes auf Befehl des Herodes enthauptet wurde, zog sich Jesus für
kurze Zeit aus dem Herrschaftsgebiet des Herodes zurück.
Jesus wollte sich mit den Pharisäern geistig
auseinandersetzen. Sein Weg führte ihn wieder nach Jerusalem. Der genaue Hergang kann
nicht nachvollzogen werden, es gab jedoch zumindest einen öffentlichen Tumult auf dem
Tempelvorplatz, bei dem Jesus verhaftet wurde. Dem Synedrium (Hoher Rat und oberstes
Gericht der Juden)
gelang es, die Worte Jesus als Gotteslästerung
darzustellen. Die hohen Priester wünschten ein Todesurteil, konnten dieses aber nicht
aussprechen, da Rom die Gesetze machte. Ein Todesurteil konnte nur der römische
Prokurator, Pontius Pilatus, aussprechen. Dieser sah nach der Anklage von Jesus eine
Gefahr für die römische staatliche Ordnung und sprach das Urteil durch Tod am Kreuz.
Jesus lehrte nicht das Christentum. Diese
Bezeichnung entstand später, um den Gläubigen der Lehren Jesus einen Namen und eine
Zugehörigkeit zu geben. Die Lehren waren teilweise auch in anderen Religionen vorhanden
und manche behaupten, dass das Christentum eine Mischung aus vielen Religionen ist, um
für alle einen Zugang zu haben.
Die Lehren von Jesus waren ganz einfach, wie auch
alles, was Wahr ist, ganz einfach ist: Es gibt nur zwei grundsätzliche Aussagen, die
Jesus lehrte. Die erste ist die Einhaltung der zehn Gebote, die zweite ist das Leben nach
den Lehren seiner Bergpredigt.
Dennoch waren die Lehren von Jesus eine innere
Revolution. Jesus lehrte den Menschen unter anderem, dass
jeder Mensch, Arm oder Reich, ob Sünder oder
Fromm, daran glauben darf, dass Gott sich seiner persönlich annimmt. Jesus stellte die
LIEBE GOTTES in den Mittelpunkt seiner Lehren. Die LIEBE GOTTES macht jeden Menschen
einzigartig und gibt der Seele Ewigkeitswert.
Diese Lehre war mit dem Glauben der Pharisäer nicht
vereinbar. Sie forderten die Einhaltung von einzelnen Gesetzen religiöser und ethischer
Art. Heiden wurden von den Pharisäern nicht akzeptiert.
(Die Lehre der Pharisäer ist meines Erachtens
näher an die sogenannten christlichen Kirchen angelehnt, als die Lehren Jesus. Die
Kirchen halten sich auch für die einzigen, die einen Zugang zu Gott ermöglichen können
und bestehen auf ihre Sakramente, die sie selbst als Heilig und Heilsnotwendig
bezeichnen).
| Der Mensch hat keine Ansprüche an Gott zu
stellen. Gott bietet sich in seiner Gnade den Menschen an, die sich ihm völlig hingeben
müssen. Die Menschen sollen ihr Leben also radikal ändern und die Nächstenliebe leben. Jesus lehrte uns:"Liebe deinen Nächsten wie Dich
selbst". Auch der persönliche Feind ist ein Geschöpf Gottes wie du selbst. Die
Lehre von einem vergebenden Gott stellte das Verhältnis zu den Mitmenschen auf eine noch
nie erlebte Grundlage. Der "LIEBENDE GOTT", dem die Zöllner und Dirnen, die zur
Umkehr bereit sind, lieber hat, als die selbstgerechten Pharisäer war innere Revolution.
Jesus erklärte, dass der Körper die
vorübergehende Wohnung für die Seele ist. Somit ist das Leben auf der Erde eine Vorstufe
zum Leben im Himmel. Jesus lehrte den Menschen die Unsterblichkeit. (Mein Reich ist nicht
von dieser Welt)
Die Menschen, die Jesus auf seiner Wanderschaft
lehrte, waren meist einfache Leute. Mit dem prunkvollen Leben der Oberschicht waren sie
nicht einverstanden. Sie sehnten sich nach einer besseren Welt. Von den vielen religiösen
Gruppierungen ging zu viel Manipulation aus. Die Pharisäer waren vielen zu arrogant und
die römische Staatsreligion war zu steril. Die Lehre, die Jesus verkündete, erreichte
die Menschen in ihrem Herzen. Sie fühlten sich getröstet und fanden |
Giotto di Bondone
"Jesus mit den Toralehrern" |
Antworten auf ihre spezifischen
Probleme der Zeit. Die Botschaften von Nächstenliebe und Feindesliebe waren neu und
sorgten für ein Nachdenken über den richtigen Weg.
Jesus selbst hat vermutlich keine Schriften
hinterlassen. Sein Auftreten wird jedoch in vielen Schriften dargelegt. Wir können davon
ausgehen, dass Jesus eine charismatische Ausstrahlung hatte. Er war sicher nicht der
einzige Heilsverkünder zu seiner Zeit. Er sprach oft in Gleichnissen, die unmittelbar mit
dem Leben zur Zeit der Verkündung in Verbindung stand. Seine Lehre war einfach,
verständlich und sorgte für hohe Akzeptanz.
Die Menschen entwickelten ein völlig neues
Selbstbewusstsein. Die Lehren der Nächstenliebe wurden zunächst von den armen
Bevölkerungsschichten westlich des Sees Genezareth umgesetzt.
Besonders die Glaubensgewissheit, dass jeder Mensch
ein Kind Gottes ist und von ihm geliebt wird, war den Pharisäern ein Dorn im Auge. Die
Lehren Jesus richteten sich zunächst an die Außenseiter der Gesellschaft. Das waren die
Armen und Erniedrigten. Die Pharisäer waren die Glaubensverfechter des Alten Testaments
und bezeichneten sich als die Bewahrer dieser Lehre. Diese Lehre gab den Pharisäern Macht
und Positionen, die sie nun gefährdet sahen. Da kam jemand und predigte die
Gleichberechtigung und die Nächstenliebe. Das konnten auch die Hohen Priester nicht
zulassen. Sie sahen ihre Autorität angegriffen. Die Römer hatten das Ziel, die
religiösen Verhältnisse zu kontrollieren und sahen ihre Macht angekratzt. Pontius
Pilatus, der im römischen Sinne verantwortlich war, musste die Gelegenheit für sich
umsetzen.
Ca. im Jahre 30 gab es erste Versammlungen der
Schüler Jesus, als mehrere Personen berichteten, Jesus gesehen zu haben. Sie berichteten
daher von der Auferstehung Jesus.
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