Nach jahrelanger Debatte Papst erklärt "Vorhölle" für
überholt
Nach jahrelanger Debatte hat der Vatikan die
traditionelle katholische Vorstellung einer "Vorhölle" für ungetaufte tote
Kinder offiziell für überholt erklärt. "Der Ausschluss von unschuldigen Kindern
aus dem Paradies widerspricht der besonderen Liebe Christus' für die Kleinen",
heißt es in dem Bericht der Internationalen Theologischen Kommission (ITK), der von Papst
Benedikt XVI. gebilligt wurde.
Der Papst habe sich unter anderem wegen der weltweit
hohen Zahl der Abtreibungen zu diesem Schritt entschlossen. Zudem würden immer mehr
Kinder nicht getauft.
Der Papst hatte die Vorhölle bereits vor einem Jahr
als "nur eine theologische Hypothese" bezeichnet und empfohlen, den Glauben
daran abzulehnen. Die ITK hatte sich seit November 2005 mit dieser Frage befasst. Vor
seiner Ernennung zum Papst war Joseph Ratzinger zwei Jahre lang deren Vorsitzender.
Glückseligkeit - aber keine
Gemeinschaft mit Gott
Die aus dem Mittelalter stammende Überlieferung des
"Limbus infantium" besagt, dass Kinder, die ungetauft gestorben sind, nicht in
den Himmel kommen. Sie seien dann nämlich nicht von der Erbsünde befreit. Theologen
lehrten lange Zeit, dass diese Kinder im so genannten Limbus einen ewigen Zustand
natürlicher Glückseligkeit genießen - allerdings ohne Gemeinschaft mit Gott. Die
Tradition wurde allerdings nie zur offiziellen Doktrin der katholischen Kirche. |